WIR BEWERBEN UNS
ALS KULTURHAUPTSTADT EUROPAS
NÜRNBERG 2025

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Humans of Nürn­berg

 

Bunt, vielfältig und doch einzigartig - Das sind die Menschen in Nürnberg! Regelmäßig erzählen wir in unserer Reihe #humansofnürnberg eine persönliche Geschichte.

“Was das Tol­le ist an der heu­ti­gen Zeit, der Kul­tur­land­schaft einer Groß­stadt? Dass wir alle nicht mehr geo­gra­phisch gebun­den sind son­dern frei dar­in, uns selbst zu fin­den – auch kul­tu­rell. Gera­de dar­um den­ke ich, Auf­ga­be und Selbstverständnis einer Groß­stadt, in der vie­le ver­schie­de­ne Völker und Kul­tu­ren ver­sam­melt sind, ist es, Wege zu fin­den, mit­ein­an­der zu sein und zu inter­agie­ren, aber auch aktiv die Möglichkeit zu bie­ten, sich mit­ein­an­der zu ver­mi­schen. Des­halb fin­de ich Glo­bal Art Nürn­berg so toll. Hier geht es dar­um, zwei ver­meint­lich völlig ver­schie­den­ar­ti­ge kul­tu­rel­le Aspek­te mit­ein­an­der zu verknüpfen und dar­aus etwas Neu­es ent­ste­hen zu las­sen. Ich selbst bin Angehörige der tami­li­schen Com­mu­ni­ty: Mei­ne Eltern kamen vor 30 Jah­ren als Bürgerkriegsflüchtlinge aus Sri Lan­ka in das Auf­nah­me­zen­trum Zirn­dorf, haben schwer gear­bei­tet, um ihren Kin­dern opti­ma­le Lebens­be­din­gun­gen, vor allem eine aus­ge­zeich­ne­te nicht zuletzt kul­tu­rel­le Bil­dung zu ermöglichen. Dazu gehörte für sie aber auch immer die Wah­rung unse­rer tami­li­schen Tra­di­ti­on, und dar­um habe ich von klein auf klas­si­schen indi­schen Tem­pel­tanz gelernt. Tanz ist für mich die höchste Form des Bewusst­seins, eine Form der Medi­ta­ti­on – und etwas, das ich ger­ne an alle wei­ter­ge­ben möchte, auch außer­halb unse­rer Com­mu­ni­ty. Wir leh­ren nicht nur den Tanz, son­dern die dazugehörige Geschich­te und respekt­vol­le Hal­tung, die ich als in der hie­si­gen Kul­tur wenig vor­han­den emp­fin­de. Die Arbeit wird uns Akteu­ren in Nürnberg aller­dings oft schwer gemacht – schon allei­ne dadurch, dass es kaum Räume gibt, die zur Verfügung zu stel­len zur Auf­ga­be einer Stadt­ver­wal­tung gehört. Die Stadt fördert auch lei­der oft lie­ber Bekann­tes anstatt Neu­es aus­zu­pro­bie­ren. Die Arbeit von N2025 hat eine wich­ti­ge Öffnung geschaf­fen. Wir sind auf dem rich­ti­gen Weg.”

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“Nürn­berg? Für mich eigent­lich per­fekt, abge­se­hen davon, dass ich mir ein Alter auf dem Land wün­sche. Ich habe zu vie­le erlebt, die mit gro­ßen Wün­schen und Träu­men nach Ber­lin oder Ham­burg gegan­gen sind. Und dort unter­ge­hen, von ihrem Traum abkom­men, irgend­wie ver­su­chen, zu über­le­ben – oder eben wie­der zurück­kom­men. Hier hast du mehr Chan­cen, weil es weni­ger Leu­te gibt, die Kunst und Kul­tur machen, genug Platz ist für alle, sei’s Foto, Male­rei oder Thea­ter. Aber lei­der ist auch alles furcht­bar büro­kra­tisch, im Ver­gleich zu and­ren Städ­ten ist der Auf­wand, eine Ver­an­stal­tung hoch­zu­zie­hen, irr­sin­nig, es wer­den einem stän­dig Stei­ne in den Weg gelegt. Ob das ein Nürn­ber­ger Pro­blem ist oder gene­rell ein baye­ri­sches, das weiß ich nicht. In Ber­lin gibt es mit­ten in der Stadt ein selbst­ver­wal­te­tes Kunst- und Kul­tur­zen­trum auf einem Park­haus­dach – wie schön wäre das bei uns? Aber wenn du sowas hier bean­tra­gen wür­dest, da lacht die Stadt dich doch nur aus, nach sowas brauchst du gar nicht zu fra­gen. Ich habe den Ein­druck, dass es man­che Ein­rich­tun­gen leich­ter habem als ande­ren. Viel­leicht sit­zen an den ver­ant­wort­li­chen Stel­len auch zu weni­ge Men­schen, die wirk­lich Ahnung vom Kul­tur­be­trieb haben, vor allem von der Sub­kul­tur. Trotz­al­le­dem ist Nürn­berg für mich per­fekt, hat die die­se herr­lich über­schau­ba­re Grö­ße, in der du alles errei­chen, alles mit­be­kom­men kannst, wenn du willst, hat wahn­sin­nig vie­le gute Leu­te, die einen groß­ar­ti­gen Kul­tur­be­trieb stem­men – und lei­der aber oft anders­wo hin­ge­hen, weil sie hier nicht wei­ter­kom­men. Wenn man ‘Kul­tur­haupt­stadt’ als Aus­zeich­nung ver­steht, die bedeu­tet ‘ihr macht alles rich­tig’, dann ver­dient Nürn­berg den Titel mei­ner Mei­nung nach nicht. Aber es wäre toll, wenn der Bewer­bungs­pro­zess Ver­än­de­run­gen mit sich brin­gen wür­de – bei­spiels­wei­se eine bes­se­re finan­zi­el­le Unter­stüt­zung der Sub­kul­tur. Vor allem aber eine Locke­rung der büro­kra­ti­schen Hür­den. Wenn jemand die Aus­zeich­nung ver­dient hat, dann die Kul­tur­schaf­fen­den selbst.”

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“Als 12-Jäh­ri­ge habe ich auf einer Bra­vo-Hits-CD eine orches­tra­le Ver­si­on von „Not­hing Else Mat­ters“ von Metal­li­ca ent­deckt. Sowas hat­te ich vor­her noch nie gehört und so war mei­ne Lie­be für Metal gebo­ren. Als ich gehört habe, dass Nürn­berg sich um den Titel Kul­tur­haupt­stadt bewirbt, war mein ers­ter Gedan­ke, dass ich mich ger­ne aktiv ein­brin­gen wür­de. Wenn schon die Mög­lich­keit besteht, dass mehr für die Kul­tur in unse­rer Stadt getan wird, möch­te ich mein Gen­re auch ger­ne ver­tre­ten sehen. Mit fünf bis zehn Freun­den ver­an­stal­te ich seit eini­gen Jah­ren Kon­zer­te im Metal­be­reich und bin seit 2015 Sän­ge­rin in einer Metal­band (@kafkaesque.band). In unse­rem Under­ground-Gen­re ist es oft nicht so leicht an Auf­tritts­mög­lich­kei­ten zu kom­men, also haben wir es ein­fach selbst in die Hand genom­men und die Kon­zert­rei­he „@scheppercore” gegrün­det. Es war gleich zu spü­ren, dass hier ein wahn­sin­ni­ger Bedarf besteht. Unheim­lich vie­le Bands mel­den sich bei uns, meist aus der Regi­on aber auch von außer­halb und möch­ten ger­ne Shows bei uns spie­len. Im Schnitt haben wir bay­ern­weit sie­ben Shows pro Jahr, bei­spiels­wei­se im Z‑Bau oder im E‑Werk Erlan­gen , bei denen meist 150 bis 200 Zuschau­er am Start sind. Immer wie­der stel­le ich fest, dass sich vie­le Bands der Sze­ne in Nürn­berg oder Fran­ken unter­ein­an­der gar nicht ken­nen. Mit unse­rer Kon­zert­rei­he haben wir einen Treff­punkt ein­ge­rich­tet, man lernt sich ken­nen und tauscht sich aus. Gera­de im Under­ground muss man zusam­men­hal­ten und aktiv etwas für die Gemein­schaft tun, das fin­de ich sehr wich­tig. Wir machen das alle aus Lie­be und Herz­blut für unse­re Musik. Den­noch klappt es nicht ohne Unter­stüt­zung von außen – von Kul­tur­ein­rich­tun­gen zum Bei­spiel. Ein biss­chen mehr För­de­rung wür­den wir uns aber wün­schen, Pro­be­räu­me und Treff­punk­te feh­len seit Jah­ren in Nürn­berg und auch bezahl­ba­re Ver­an­stal­tungs­or­te sind rar. Da kann eine Kul­tur­haupt­stadt ja viel­leicht einen posi­ti­ven Ein­fluss haben.”

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“Obwohl Deutsch mei­ne Mut­ter­spra­che ist, sin­ge ich am liebs­ten auf Eng­lisch und schrei­be auch alle mei­ne Lie­der auf Eng­lisch. Ich mag die Spra­che sehr ger­ne und es fällt mir irgend­wie leich­ter, mich künst­le­risch aus­zu­drü­cken. Nicht sel­ten wer­de ich mit dem Kli­schee kon­fron­tiert, dass ich von Natur aus mehr Rhyth­mus hät­te, weil ich afri­ka­ni­sche Wur­zeln habe. Ich sehe das nicht so und fin­de sol­che Aus­sa­gen recht plump. Irgend­wann war es ein­fach logisch für mich pro­fes­sio­nel­le Sän­ge­rin zu wer­den, weil es das ist, was ich ger­ne mache. Vor dem Stu­di­um wuss­te ich nicht zu hun­dert Pro­zent, was da auf mich zukommt. Als Sän­ge­rin lebt man oft­mals von Enga­ge­ment zu Enga­ge­ment, da ich aber kein sehr gro­ßes Sicher­heits­be­dürf­nis habe, kom­me ich super damit klar. Ich schaf­fe es auch immer irgend­wie, mir alles zu ermög­li­chen, wor­auf ich Lust habe. Ich rei­se ger­ne, brau­che aber kein Luxus-Hotel, ich ste­he nicht auf gro­ße Autos und habe auch noch kei­ne Kin­der, die ich zu ver­sor­gen habe. Ich bin gera­de frei und kann das machen, was ich lie­be und was sich für mich rich­tig anfühlt. Für die­ses Pri­vi­leg bin ich sehr dank­bar.”

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„Ich muss­te mich in mei­nem Leben immer wie­der neu erfin­den und durch­mo­geln. Nach dem Krieg habe ich mich auf einem Güter­zug nach Schle­si­en durch­ge­schla­gen und auf dem Schwarz­markt mit Salz und Zucker gehan­delt, um mei­ne Fami­lie aus dem Lager zu holen. Spä­ter habe ich im Lot­to gewon­nen, von dem Gewinn ein mobi­les Kino auf­ge­baut und arbei­te­te schließ­lich bei einem frän­ki­schen Geträn­ke­her­stel­ler. Mit 16 Jah­ren lern­te ich in der Hit­ler-Jugend ein Segel­flug­zeug zu flie­gen. 1943 mel­de­te ich mich frei­wil­lig für eine Son­der­ein­heit und wur­de zum Füh­ren eines Las­ten­seg­lers und zum Fall­schirm­sprin­ger aus­ge­bil­det. Eines Tages hieß es, wir sol­len unse­re Flie­ger­be­klei­dung gegen Matro­sen­an­zü­ge tau­schen. Wir wur­den nach Kiel, dann nach Ita­li­en geschickt. Bei der Aus­bil­dung zum ‘Mee­res­kämp­fer’ schwam­men wir täg­lich hun­der­te von Bah­nen teils bis spät in die Nacht. Unse­re Kampf­schwim­mer-Aus­rüs­tung bestand aus einem Gum­mi­an­zug von 3 mm Dicke, Ober­teil und Hose waren durch einen Gum­mi­gür­tel mit­ein­an­der ver­bun­den. Dar­un­ter tru­gen wir Wäsche aus Wol­le. Im Okto­ber 1944 erhiel­ten wir den Auf­trag, im Hafen von Anco­na Kriegs­schif­fe zu ver­sen­ken. Wäh­rend des Ein­sat­zes wur­den U‑Boote geor­tet und der Rück­zug geor­dert. Bei einem Wel­len­gang von fünf Metern ging es nur noch um das Über­le­ben und als unse­rer ‚Nuss­scha­le‘ der Treib­stoff aus­ging, schwam­men wir 13 Stun­den lang ans siche­re Land. Im Früh­jahr 1945 war mei­ne Trup­pe an der Oder damit beauf­tragt, Brü­cken zu spren­gen, um die her­an­mar­schie­ren­de Rote Armee auf­zu­hal­ten. Vom Kriegs­en­de beka­men wir erst Tage spä­ter etwas mit. Ich kam in eng­li­sche Gefan­gen­schaft nach Schles­wig-Hol­stein- ich war 19 Jah­re alt. Was ist Krieg? Die Macht­be­ses­sen­heit eini­ger weni­ger Poten­ta­ten, die die Welt ver­än­dern wol­len. Ihr Ego ist so groß, dass sie die Rea­li­tät zur Umwelt ver­lie­ren. Wenn man als jun­ger Mensch in so einem Sys­tem auf­wächst, sieht man vie­les erst im Nach­hin­ein. Wenn ich mir heu­te jun­ge Men­schen anse­he, ver­mis­se ich oft einen gewis­sen Erfin­der­geist und Mut. Mein Leben hat­te so vie­le Epi­so­den, doch ich habe nie auf­ge­ben. Die­se Ener­gie möch­te ich an nächs­te Genera­tio­nen wei­ter­ge­ben.“

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„Wenn man als Social-Media-Redak­teu­rin arbei­tet, braucht man ein dickes Fell. Begeg­net man im All­tag frem­den Men­schen mit Höf­lich­keit und Ver­ständ­nis, schei­nen bei vie­len Men­schen im Netz hin­ge­gen die Hem­mun­gen zu fal­len und die Umgangs­for­men zu ver­ro­hen. Natür­lich ‘wird man ja wohl noch sagen dür­fen’ und auch die Mei­nungs­frei­heit möch­te ich abso­lut nicht angrei­fen. Ein kri­ti­scher Geist ist immer gut und eine frucht­ba­re Dis­kus­si­on bringt mei­ner Mei­nung nach mehr, als ein Kon­sens aus Bequem­lich­keit. Genau das fand ich an der Nürn­ber­ger Bewer­bung als Kul­tur­haupt­stadt von Anfang an so span­nend: Man legt den Fin­ger in die Wun­de, macht auf Miss­stän­de auf­merk­sam und stößt an vie­len Stel­len Ver­än­de­run­gen an. Natür­lich kön­nen wir Ver­bes­se­run­gen oder Ver­än­de­run­gen oft­mals nicht unmit­tel­bar umset­zen, kön­nen manch­mal auch nur Denk­an­stö­ße geben oder den Fokus ver­schie­ben. Vie­le Pro­zes­se brau­chen auch Zeit. Ich wür­de mir wün­schen, dass sich mehr Men­schen in Nürn­berg kon­struk­tiv an der Gestal­tung ihrer Stadt und ihres Lebens­rau­mes betei­li­gen. Ein­fach ein­mal selbst anpa­cken, etwas ent­wick­len oder Ideen rei­fen las­sen, statt nur zu kri­ti­sie­ren und Neue­run­gen prompt abzu­leh­nen. Ich glau­be dar­an, dass posi­ti­ve Ener­gie mehr bewir­ken kann, als nega­ti­ve. In mei­nen Augen könn­te man in Nürn­berg offe­ner sein, für Ein­flüs­se von außen, für Inno­va­tio­nen und für Unbe­kann­tes. Manch­mal zei­gen sich Men­schen, die mich ken­nen­ler­nen über­rascht, dass ich in Rumä­ni­en gebo­ren bin. ‚Mensch, das merkt man dir ja gar nicht an‘, höre ich dann nicht sel­ten. Ich fra­ge mich, ob das ein Kom­pli­ment sein soll und wie sich die­se Leu­te eine Rumä­nin vor­stel­len. Ich hof­fe sehr, dass wir die Men­schen in die­ser Stadt und in Euro­pa näher zusam­men­brin­gen und dabei hel­fen, Hem­mun­gen und Vor­ur­tei­le in den Köp­fen abzu­bau­en, des­halb auch die Idee von #human­s­of­nürn­berg. Damit wir nicht nur fried­lich neben­ein­an­der, son­dern krea­tiv und offen mit­ein­an­der leben und unse­re Welt gestal­ten.“

Oli­via Barth-Jur­ca, Pres­se- & Öffent­lich­keits­ar­beit, Online- & Social-Media-Redak­ti­on, N2025 Bewer­bungs­bü­ro

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„Als Süd­ame­ri­ka­ne­rin nach Nürn­berg zu kom­men, war für mich ein gro­ßes Aben­teu­er. Ich woll­te hier eigent­lich nur ein paar Mona­te Urlaub machen. Es war ein schö­ner, sehr hei­ßer Som­mer und ich ver­lieb­te mich in die­se Stadt und die Men­schen. Als Stu­den­tin zog ich ins Stu­den­ten­wohn­heim hier im Hei­lig-Geist-Haus, wo jetzt unser Büro ist — ich wohn­te damals sogar auf der glei­chen Eta­ge. Am Ende mei­nes Stu­di­ums hat­te ich immer im Kopf zurück nach Peru zu keh­ren, als ich mei­nen jet­zi­gen Mann ken­nen­lern­te, hei­ra­te­te und wir unse­re Toch­ter beka­men. Jetzt lebe ich schon seit über zehn Jah­ren in Nürn­berg. Ich wer­de manch­mal gefragt, wie ich mit der Men­ta­li­tät der Deut­schen bzw. Nürn­ber­ger klar­kom­me. Süd­ame­ri­ka­ner gel­ten als immer freund­lich und offen, wäh­rend die Deut­schen eher als ver­klemmt und steif ver­schrien sind. Die­ses Kli­schee kann nicht gar nicht bestä­ti­gen. Ich bin hier auf sehr lie­bens­wer­te und inter­es­san­te Men­schen getrof­fen. Was ich bis heu­te aber etwas kuri­os fin­de ist, dass man hier oft sehr miss­trau­isch gegen­über ande­ren ist und wenig Ver­trau­en hat, wo man hier doch viel Sicher­hei­ten hat und im All­tag kaum Ängs­te haben muss. Durch Kul­tur habe ich Nürn­berg ken­nen­ge­lernt, die Tra­di­tio­nen aber auch die moder­nen Sei­ten. Des­halb gefällt mir die Arbeit für N2025 auch so gut. In der Ver­wal­tung kom­me ich mit vie­len ver­schie­de­nen Men­schen in Berüh­rung – oft auch inter­na­tio­nal. Der Titel Kul­tur­haupt­stadt Euro­pas bedeu­tet für Nürn­berg eine gro­ße Her­aus­for­de­rung in vie­len Aspek­ten. Im Bewer­bungs­pro­zess sind alle Bewoh­ner ein­ge­la­den sich aktiv zu betei­li­gen, mit Ideen aber auch mit dem eige­nen Ver­hal­ten und der Außen­wir­kung. Bis zum Jah­re 2025 wür­de ich mir wün­schen, dass sich jede*r Nürnberger*in – und sei es der Taxi­fah­rer, die Brat­wurst­ver­käu­fe­rin oder der Buden­be­sit­zer – als Botschafter*in Nürn­bergs ver­steht und so auch freund­lich und offen allen Gäs­ten und Tou­ris­ten begeg­net.“

Maria Rink, Ver­wal­tung, N2025 Bewer­bungs­bü­ro

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„Ich fand die Idee sofort span­nend, dass Nürn­berg, die Stadt, in der ich gebo­ren und auf­ge­wach­sen bin, sich auf den Weg zur Kul­tur­haupt­stadt Euro­pas macht. Ich kam im Rah­men mei­nes Mas­ter­stu­di­ums ‘Kul­tur­päd­ago­gik und Kul­tur­ma­nage­ment’ als Prak­ti­kan­tin ins Team und bin nun als Pro­jekt­mit­ar­bei­te­rin Teil des Bewer­bungs­bü­ros. Ich habe bereits in unter­schied­li­chen Kul­tur­ein­rich­tun­gen und für ver­schie­de­ne Pro­jek­te in Städ­ten wie Augs­burg oder Mön­chen­glad­bach gear­bei­tet, in mei­nen Augen gibt es aber kein viel­schich­ti­ge­res Pro­jekt als die­ses. Bei N2025 geht es um die gan­ze Stadt inklu­si­ve der Regi­on, um Stadt­ent­wick­lung und um das Spin­nen und Ermög­li­chen von Ideen unter dem Dach eines maxi­mal brei­ten Kul­tur­be­griffs. Ich fin­de es beson­ders schön, dass wir in unse­rer Arbeit auf ver­schie­de­nen Wegen mit vie­len Men­schen in Kon­takt tre­ten und mit Kulturhauptstadt-Befürworter*innen, Künstler*innen, Kul­tur­schaf­fen­den, Akti­ven aus den unter­schied­lichs­ten Berei­chen, aber auch mit Kritiker*innen der Idee ins Gespräch kom­men. Bei unse­ren Aktio­nen mit dem mobi­len Büro oder dem Plausch­be­cken spürt man direkt sehr vie­le posi­ti­ve Vibes, aber auch sonst wer­den immer wie­der tol­le Ideen an uns her­an­ge­tra­gen. Man spürt, dass in Nürn­berg viel Poten­zi­al schlum­mert und es ist unglaub­lich span­nend, sich gemein­sam auf die Rei­se in die Zukunft unse­rer Stadt und unse­rer Regi­on zu bege­ben. Das bedeu­tet für uns alle: aus­pro­bie­ren, hin­ter­fra­gen, neu den­ken, anders den­ken, expe­ri­men­tie­ren, spie­len, dis­ku­tie­ren, sich aus­tau­schen, schaf­fen, gestal­ten — gemein­sam.“

Han­nah Straub, Pro­jekt­ma­nage­ment & Ein­bin­dung Metro­pol­re­gi­on, N2025 Bewer­bungs­bü­ro

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“Als gebür­ti­ge Münch­ne­rin mit ukrai­ni­schen Wur­zeln Nürn­berg auf die Kul­tur­haupt­stadt vor­zu­be­rei­ten ist schon irgend­wie wit­zig. Ich bin im Ver­lauf mei­nes Lebens oft aus Nürn­berg weg, aber auch immer wie­der zurück gezo­gen. Ich lebe sehr ger­ne hier. Nürn­berg hat so vie­le Geheim­nis­se und ver­ste­cke Poten­tia­le, die ich super span­nend fin­de und die ein­fach nur die Chan­ce brau­chen, an die Ober­flä­che zu kom­men. Genau das macht mei­nen Job so span­nend. Ich kann vie­len Men­schen die Mög­lich­keit geben Kul­tur zu machen und zu schaf­fen und unse­re Stadt nach und nach zu ver­än­dern. Man­che Akteu­re möch­ten ger­ne sofort alles ver­än­dern, am bes­ten schon ges­tern. Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se brau­chen aber auch Zeit und Geduld, um nach­hal­tig wir­ken zu kön­nen. Als Kind habe ich in der Nord­stadt gelebt. Ich bin nie in den Süden gekom­men, es gab kei­nen Anlass. Heu­te lebe ich im Süden, ler­ne vie­le neue span­nen­de Aspek­te unse­rer Stadt und unse­rer diver­sen Gesell­schaft ken­nen und sto­ße auf unheim­lich vie­le Gegen­sät­ze. Schon von zu Hau­se ken­ne ich Trans­kul­tu­ra­li­tät, ich bin drei­spra­chig auf­ge­wach­sen, was natür­lich auch mei­ne Sicht­wei­se auf ver­schie­de­ne Lebens­wei­sen und Ste­reo­ty­pen beein­flusst. Vor kur­zem kam ein älte­rer Herr auf mich zu und sag­te mir, ich sähe gar nicht ukrai­nisch aus. Dar­an sieht man in wel­chen Schub­la­den wir noch leben. Ich hof­fe sehr, dass wir durch die Kul­tur­haupt­stadt sol­che Gedan­ken auf­bre­chen und die Stadt­ge­mein­schaft in ihrer Diver­si­tät näher zusam­men­brin­gen kön­nen.”

Tan­ja Ehr­lein, Out­re­ach & Audi­ence Deve­lo­p­ment, N2025 Bewer­bungs­bü­ro

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„Ich bin in einem beschau­li­chen – sor­ry Peters­au­rach — „Kaff“ in der Metro­pol­re­gi­on auf­ge­wach­sen und kam als Jugend­li­cher vor allem nach Nürn­berg, um ein­zu­kau­fen, ins Kino zu gehen oder auch mal ein Kon­zert im Hirsch zu besu­chen. Heu­te, wo ich seit 2 Jah­ren hier lebe, sehe ich die Stadt natür­lich mit ganz ande­ren Augen. An so einer Bewer­bung selbst mit­zu­ar­bei­ten, ist aber ein gro­ßes Aben­teu­er, das täg­lich Über­ra­schun­gen birgt. Für mich ist Nürn­berg eine groß­ar­ti­ge Stadt, so vol­ler Wider­sprü­che. Eine Stadt die wahn­sin­nig schön, an man­chen Ecken aber auch bemer­kens­wert häss­lich sein kann. Es gibt so viel Inter­na­tio­na­li­tät, Welt­of­fen­heit und Ver­rück­tes hier, dann gibt es aber auch Berei­che, die über­ra­schend klein­geis­tig, ver­schlos­sen und alt­mo­disch für eine Stadt die­ser Grö­ße sind. Wir Fran­ken sind sehr stolz und doch auch irgend­wie in Selbst­zwei­feln gefan­gen. All die­se Wider­sprü­che in der Sum­me machen den Charme aus, den es nur hier gibt. Nürn­berg ist gera­de auf dem Sprung, das spürt man. Es gibt so vie­le Initia­ti­ven, die die Stadt vor­an­brin­gen wol­len. Die Kul­tur­haupt­stadt-Bewer­bung kann dafür ein zusätz­li­cher Kata­ly­sa­tor sein. Und Nürn­berg hat Euro­pa viel zu erzäh­len. Ich bin oft in Buda­pest, mei­ne Frau ist Unga­rin und ich habe dort auch 2 Jah­re lang gelebt. In Ungarn sieht man lei­der gera­de, wie die Ver­gan­gen­heit für natio­na­lis­ti­sche Rhe­to­rik und für dubio­se poli­ti­sche Zwe­cke instru­men­ta­li­siert wird. Die Ras­se­ge­set­ze von 1935, die Reichs­par­tei­ta­ge ab 1927 und die Nürn­ber­ger Pro­zes­se ab 1945, nicht ver­ges­sen dür­fen wir auch die drei NSU-Mor­de: Nürn­berg kann wie kei­ne ande­re Stadt mit ganz Euro­pa ver­han­deln, war­um Natio­na­lis­mus auch im 21. Jahr­hun­dert kei­ne gute Idee sein kann. Das Ler­nen aus der Geschich­te ist heu­te so wich­tig für Euro­pa wie nie. Gleich­zei­tig dür­fen wir aber nicht bei „Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung“ ste­hen blei­ben. Wir könn­ten doch auch mal in Zukunfts­mo­dus schal­ten und neue Wege in die rich­ti­ge Rich­tung gehen. Genau das bedeu­tet das Mot­to der Kul­tur­haupt­stadt-Bewer­bung „Past For­ward“ für mich.“

Nico Degen­kolb, Euro­päi­sche Dimen­si­on, Ein­bin­dung Metro­pol­re­gi­on, N2025 Bewer­bungs­bü­ro

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“Im Bewer­bungs­bü­ro ist kein Tag wie der ande­re. Ver­wal­tungs­tä­tig­kei­ten im Kul­tur­be­reich sind alles ande­re als ein­tö­nig und drö­ge, im Gegen­teil, die Arbeit bei N2025 ist für mich sehr abwechs­lungs­reich und span­nend. Kul­tur inter­es­sier­te mich schon immer sehr, die inter­na­tio­na­len Gäs­te, die uns besu­chen, die span­nen­den Künst­le­rin­nen und Künst­ler, mit denen wir zu tun haben, die vie­len krea­ti­ven Ideen, die uns errei­chen … Ein­mal hat­te ich völ­lig unver­hofft Rena­te Schmidt per­sön­lich am Tele­fon. Das war schon etwas Beson­de­res für mich. Ich bin froh Teil die­ser Rei­se zur Kul­tur­haupt­stadt sein zu dür­fen und bin auch ein biss­chen stolz dar­auf, dass ich mei­nen Bei­trag dazu leis­ten kann. Beson­ders seit ich Oma gewor­den bin, liegt mir das The­ma Nach­hal­tig­keit sehr am Her­zen. Ich wür­de mir für mei­ne bei­den Enkel­kin­der wün­schen, dass Nürn­berg grü­ner wird und mehr Spiel­plät­ze ent­ste­hen. Ich bin sehr viel mit dem Fahr­rad unter­wegs, habe erst jetzt im Som­mer­ur­laub 900 Kilo­me­ter auf dem Rad zurück­ge­legt. Das Fahr­rad­netz in Nürn­berg muss viel bes­ser aus­ge­baut wer­den, damit mehr Fahr­rä­der und weni­ger Autos in der Stadt unter­wegs sind. Dafür könn­te die Rad­we­ge­struk­tur und –beschaf­fen­heit in Hol­land als gutes Bei­spiel die­nen. Zudem wer­den vie­le Plät­ze in Nürn­berg kaum genutzt, oft sind sie bepflas­tert oder beto­niert. Ich wür­de mir eine Begrü­nung und Bele­bung sol­cher Plät­ze wün­schen. Ich bin mir sicher, dass wir den Titel “Kul­tur­haupt­stadt Euro­pas 2025” bekom­men und somit vie­les in der Stadt posi­tiv ver­än­dern kön­nen.”

Bir­git Kor­der, Ver­wal­tung, N2025 Bewer­bungs­bü­ro

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„Ich lebe seit mei­ner Geburt in Nürn­berg und Umge­bung, füh­le mich hier daheim und emo­tio­nal ver­bun­den mit die­ser Stadt. Für mich ist es gera­de des­halb sehr span­nend, den Weg zur Euro­päi­schen Kul­tur­haupt­stadt mit­zu­ge­stal­ten. Die vie­len Men­schen die man trifft, die neu­en Facet­ten, die man von der Stadt ken­nen­lernt – all das macht unser Pro­jekt so beson­ders für mich. In der Öffent­lich­keits­ar­beit wird man oft sehr direkt mit Mei­nun­gen, Kri­tik und Reak­tio­nen der Men­schen kon­fron­tiert. Die einen kön­nen das The­ma Kul­tur­haupt­stadt schon nicht mehr hören. Die ande­ren kri­ti­sie­ren, man bekä­me zu wenig mit und wir hät­ten die Bevöl­ke­rung noch nicht erreicht. N2025 ist aber ein Mara­thon und kein 100 Meter Sprint. Es ist nicht leicht, die Men­schen jetzt schon zu eupho­ri­sie­ren, für eine Idee, die noch so weit weg scheint. Ich habe aber das Gefühl, wir haben schon einen guten Teil der Nürn­ber­ger erreicht und hof­fe natür­lich, dass wir noch vie­le für die Kul­tur­haupt­stadt begeis­tern kön­nen. Eines mei­ner High­lights bis­her war, die groß­ar­ti­ge Grup­pe Rimi­ni Pro­to­koll in der Stadt zu erle­ben — durch ihr Per­for­mance-Thea­ter bekam ich eine völ­lig neue Sicht auf Nürn­berg. Auch unser neu­es Design und unse­ren Claim PAST­FOR­WARD fin­de ich klas­se und bin sehr über­zeugt davon. Manch­mal wird nicht nur in den Kom­men­tar­spal­ten Kul­tur gegen Sozia­les aus­ge­spielt, was ich sehr scha­de fin­de. Natür­lich müs­sen sozia­le Aspek­te stim­men — gute Schu­len, Kin­der­gär­ten und Infra­struk­tur sind wich­tig. Kunst & Kul­tur dür­fen dabei aber nicht ver­ges­sen wer­den – eine Stadt braucht immer bei­des. Das wird gera­de heu­te wich­ti­ger, wenn man Ant­wor­ten auf die gro­ßen Pro­ble­me unse­rer Zeit fin­den will. Ich wün­sche mir, dass die Nürn­ber­ger enger zusam­men­rü­cken, etwas offe­ner und locke­rer wer­den im Umgang mit­ein­an­der. Eines der gro­ßen The­men unse­rer Zeit ist das The­ma Umwelt. Hier wün­sche ich mir ein Umden­ken, dass nicht nur kurz­fris­tig ist – mal eben ein paar Bäu­me gepflanzt – son­dern ein Umwelt­be­wusst­sein, das tief in den Köp­fen ver­an­kert ist.“

Andre­as Kist, Pres­se- & Öffent­lich­keits­ar­beit, N2025 Bewer­bungs­bü­ro

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„Bevor ich als Lei­ter des Bewer­bungs­bü­ros hier­her kam, hat­te ich kein Bild von Nürn­berg. Zu Beginn konn­te ich mich mit vie­len Aspek­ten die­ser Stadt nicht anfreun­den. Köln, wo ich vie­le Jah­re ver­bracht habe, ist allein schon archi­tek­to­nisch viel offe­ner. Die Nürn­ber­ger Innen­stadt ist durch die Burg­mau­er regel­recht abge­schirmt, und auch die Struk­tu­ren sind hier an man­chen Stel­len starr und über­re­gu­liert. Es gab aber einen Moment im Früh­jahr, da habe ich Nürn­berg plötz­lich mit ganz ande­ren Augen gese­hen. Es war einer der ers­ten lau­en Aben­de des Jah­res, die Men­schen waren drau­ßen unter­wegs und saßen zusam­men. Ich ging durch die Stadt und dach­te: ‚Och, ist ja eigent­lich schon schön hier‘. Die Nürnberger*innen haben von sich das Bild, dass sie zurück­hal­tend sei­en. Ich bin hier aber von Anfang an offen, hilfs­be­rei­ten und gesprä­chi­gen Men­schen begeg­net. Mit mei­nen Nach­barn hal­te ich immer ein Schwätz­chen, wenn wir uns begeg­nen. Ob ich nun mit einem Bewoh­ner auf dem Süd­stadt­fest über unse­re Plä­ne für die Kul­tur­haupt­stadt spre­che, oder mit dem Ober­bür­ger­meis­ter über dem Bewer­bungs­buch brü­te, jeder Tag ist anders in mei­nem Job und genau das ist das Span­nen­de für mich. Ich wer­de lau­fend mit für mich neu­en Din­gen kon­fron­tiert. Ich habe zuvor in der Kul­tur­för­de­rung gear­bei­tet und The­men wie bei­spiels­wei­se Bar­rie­re­frei­heit oder Fra­gen der Stadt­ent­wick­lung sind neue Gebie­te für mich, die für unse­re Bewer­bung aber essen­ti­ell sind. Es gibt auch vie­le unter­schied­li­che Erwar­tun­gen der Men­schen an uns, die wir sicher nicht alle erfül­len kön­nen. Ob es die Frau ist, die sich wegen der Qua­li­tät der gel­ben Säcke an uns wen­det, oder der Vater, der sich wünscht mit sei­nem Sohn auf dem Bal­kon in der Wölckern­stra­ße in Ruhe sit­zen zu kön­nen, ohne Auto­lärm und Abga­se. In vie­len Berei­chen kön­nen wir Ver­än­de­run­gen nur ansto­ßen und die rich­ti­ge Rich­tung wei­sen. Nürn­berg ist in vie­len Köp­fen noch ‚Dürer und Füh­rer‘. Mit der Kul­tur­haupt­stadt möch­ten wir die­sem Kli­schee etwas ent­ge­gen­set­zen, denn Nürn­berg ist viel mehr.“

Prof. Dr. Hans-Joa­chim Wag­ner, Lei­ter N2025 Bewer­bungs­bü­ro

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„Ich fin­de gar nicht, dass die Fran­ken so mot­zig oder muf­fe­lig sind, wie es ihnen oft nach­ge­sagt wird. Wie man in den Wald hin­ein­ruft, so schallt es eben her­aus. Wenn man nett zu den Leu­ten ist, sind sie auch nett zu einem, das ist über­all so, auch in Nürn­berg. Ich lie­be die Stadt sehr und füh­le mich super wohl hier! Nürn­berg ist groß genug, aber nicht zu groß. Ich kann hier im Club bis zum Mor­gen­grau­en tan­zen, aber auch in Ruhe die Aus­sicht von der Burg aus genie­ßen. Ich bin mit 23 Jah­ren von Hers­bruck hier­her­ge­zo­gen, habe hier die Mode­schu­le als Mode­schnei­de­rin abge­schlos­sen und bin anschlie­ßend Fri­seur­meis­te­rin gewor­den. Seit ich vor ein paar Jah­ren zum Spaß an einem Wrest­ling-Event (NBG Trash Wrest­ling) teil­ge­nom­men habe, hat sich eine gro­ße Lei­den­schaft ent­wi­ckelt. Als ich mei­nen Eltern erzählt habe, dass ich ger­ne Wrest­ling betrei­ben möch­te, haben sie mich für ver­rückt erklärt. Sie konn­ten nicht nach­voll­zie­hen, war­um ich als Erwach­se­ne anfan­gen möch­te mich zu prü­geln, nach­dem ich doch als Kind behü­tet auf­ge­wach­sen bin. Die Wrest­ling-Schu­le in Heß­dorf ist für mich mei­ne hei­li­ge Hal­le. Hier sind alle gleich, ob ich Fri­seu­rin oder eine Frau in die­ser Män­ner­do­mä­ne bin, inter­es­siert nie­man­den. Man schal­tet völ­lig das Hirn aus und ist ganz bei der Sache. Das habe ich so noch bei kei­nem Sport oder Hob­by erlebt. Ich lebe hier mein inne­res Kind aus, kom­me in Bewe­gung und ich mag es, rich­tig kör­per­lich zu wer­den. Ich lie­be mei­nen Beruf als Fri­seu­rin, aber den gan­zen Tag um den Stuhl her­um­zu­lau­fen ist mir nicht genug. Nach einem Wrest­ling-Trai­ning kommt man vol­ler posi­ti­ver Ener­gie raus, fühlt sich ein­fach stark, als kön­ne einem nie­mand etwas anha­ben. Auch wenn alle sagen, ich hät­te einen Schlag weg, ich möch­te immer bes­ser wer­den und eines Tages viel­leicht sogar pro­fes­sio­nell wrest­len. Das wäre mein Traum.“

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„Seit acht Jah­ren bin ich mit mei­ner Frau ver­hei­ra­tet. Wir leb­ten in Odes­sa, ich war Foto­gra­fin und mei­ne Frau betrieb ein eige­nes Café. Wir hat­ten in der Ukrai­ne im All­tag oft mit Anfein­dun­gen zu kämp­fen, unse­re Freun­de und Fami­li­en wand­ten sich von uns ab, als sie von unse­rer Bezie­hung erfuh­ren und als eines Tages unser Auto in Brand gesteckt wur­de, fasst wir den Ent­schluss irgend­wo­hin zu gehen, wo es siche­rer für uns ist. In Ber­lin kamen wir zunächst bei einem Onkel mei­ner Frau unter, bevor wir als Asyl­be­wer­ber in die Zen­tra­le Auf­nah­me­ein­rich­tung nach Zirn­dorf geschickt wur­den. Für uns war es der schlimms­te Ort auf der Welt. Immer wie­der kamen wir in ver­schie­de­ne Ein­rich­tun­gen, haben in Con­tai­nern, in Kel­lern und in Zel­ten geschla­fen. Wir gaben uns in die­ser Zeit als Schwes­tern aus, da wir mit lau­ter Frem­den, mit Mus­li­men und kon­ser­va­ti­ven Men­schen auf engs­tem Raum zusam­men­leb­ten und uns so siche­rer fühl­ten. Trotz der Schwie­rig­kei­ten, haben wir nie an unse­rer Ent­schei­dung gezwei­felt. Unse­re Hoff­nung auf Frei­heit und Selbst­be­stim­mung hat uns immer vor­an­ge­trie­ben. Ich fin­de es noch immer trau­rig, dass Odes­sa, die­se wun­der­schö­ne Stadt am Meer, in der sich Tou­ris­ten tum­meln, kei­ne siche­re Hei­mat mehr für mei­ne Fami­lie war. Unse­re Toch­ter geht in Nürn­berg in die zwei­te Klas­se und fühlt sich sehr wohl. Sie hat vie­le Freun­de und ist ein fröh­li­ches Kind. Auch mei­ne Frau und ich haben Bekannt­schaf­ten geschlos­sen, die uns schon jetzt sehr ans Herz gewach­sen sind. In Nürn­berg kön­nen wir frei leben, uns ent­fal­ten. Die Men­schen sind offen, herz­lich und hilfs­be­reit. Bald möch­te ich als Foto­gra­fin selbst­stän­dig arbei­ten und im schö­nen Nürn­berg in Ruhe ein ganz nor­ma­les Leben füh­ren. Aber das Meer wer­de ich wohl immer ver­mis­sen.“

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„Es ist schon ver­rückt, wie sich die Wege von Men­schen manch­mal kreu­zen. Ich bin vor fünf Jah­ren über das Eras­mus-Pro­gramm der Euro­päi­schen Uni­on für ein Aus­lands­se­mes­ter nach Irland gegan­gen. Bis dahin habe ich noch bei mei­nen Eltern gewohnt und muss­te plötz­lich zum ers­ten Mal so rich­tig auf eige­nen Bei­nen ste­hen. Über eine Face­book-Grup­pe habe ich nach einem WG-Zim­mer gesucht und so auch mei­ne Freun­din Han­nah ken­nen­ge­lernt. Han­nah war zuvor wäh­rend ihres Deutsch­stu­di­ums wie­der­rum lan­ge Zeit in Bam­berg, wo ich VWL stu­die­re. Damals sind wir uns aber nie bewusst über den Weg gelau­fen. Ziem­lich wit­zig, wenn man bedenkt, dass wir jetzt seit über drei Jah­ren zusam­men sind. Eine Fern­be­zie­hung über eine sol­che Distanz ist zum einen schwie­rig, weil man sich im All­tag nicht sieht und ver­misst, auf der ande­ren Sei­te, ist die Zeit die man gemein­sam ver­bringt umso kost­ba­rer. Da wir uns inner­halb Euro­pas bewe­gen, sind die Flü­ge glück­li­cher­wei­se nicht all­zu teu­er und wir schaf­fen es meist, uns alle drei/vier Wochen zu sehen. Oft fah­ren wir auch gemein­sam in den Urlaub in ganz ande­re Län­der, machen ger­ne Trips mit dem Auto und grö­len zu Rock­songs oder träl­lern Dis­ney-Lie­der auf der Fahrt. Natür­lich möch­te ich nach mei­nem Stu­di­um mei­nen Weg gehen und frei Berufs­ent­schei­dun­gen tref­fen, ein gro­ßes Ziel ist aber, eines Tages im glei­chen Land zu lan­den, egal ob Irland, Deutsch­land oder ein ganz ande­res.“

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“Mei­ne Freun­de und ich blick­ten in unse­rer Jugend immer sehn­süch­tig nach Deutsch­land. Wir träum­ten von der Frei­heit und den Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten, die wir im kom­mu­nis­ti­schen Rumä­ni­en zu Zei­ten Ceau­ses­cus nicht hat­ten. Ich war Eng­lisch- und Deutsch­leh­re­rin und stell­ver­tre­ten­de Direk­to­rin einer Schu­le in Sibiu. Seit dem 12. Jahr­hun­dert lie­ßen sich in Sibiu (dt. Her­mann­stadt) deut­sche Sied­ler nie­der, was bis heu­te die Kul­tur und die Spra­che prägt. Als ich nach dem Sturz des rumä­ni­schen Dik­ta­tors 1989 mit mei­nen bei­den Töch­tern nach Nürn­berg zog, such­te ich als Allein­er­zie­hen­de einen Job, der uns finan­zi­el­le Sicher­heit bot. Ich schrieb dut­zen­de Bewer­bun­gen, als Über­set­ze­rin, Assis­ten­tin, Mit­ar­bei­te­rin in der Ver­wal­tung. Bei mei­nem ers­ten Bewer­bungs­ge­spräch wur­de ich zum Geschäfts­füh­rer eines mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­mens in Nürn­berg ein­ge­la­den, um mich als Sekre­tä­rin vor­zu­stel­len. Das Gespräch über die Fir­ma, die Tätig­kei­ten und Erwar­tun­gen an mich lief gut, als der Mann im Anzug einen genau­en Blick in mei­ne Unter­la­gen warf und erstaunt frag­te: „Sie haben an einer Uni­ver­si­tät stu­diert? Aber sie kom­men doch aus Rumä­ni­en, oder nicht?“ Als ich ihn frag­te, war­um er mich zum Gespräch ein­ge­la­den hat­te, wenn er mei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on anzweif­le, ant­wor­te­te er, dass er inter­es­siert war, wie „so eine Per­son“ tat­säch­lich sei. Er ken­ne Rumä­nin­nen nur als Haus­halts­hel­fe­rin­nen oder Pfle­ge­rin­nen und woll­te sehen, was hin­ter der Bewer­bung ste­cke. Er zeig­te sich über­rascht, dass man sich auf intel­lek­tu­el­lem Niveau unter­hal­ten kön­ne. Die Stel­le wur­de mir nie ange­bo­ten, in der Absa­ge stand, ich sei über­qua­li­fi­ziert für Art der Tätig­keit.”

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“Gos­ten­hof war nicht immer das ange­sag­te Vier­tel, das es heu­te ist. Als ich mit fünf Jah­ren mit mei­ner Fami­lie nach Gos­ten­hof kam, leb­ten hier vie­le Leu­te, die wenig Geld hat­ten, Flücht­lin­ge und Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Wenn man hier auf­ge­wach­sen ist, wur­de man täg­lich mit sozia­len Pro­ble­men kon­fron­tiert, Mäd­chen wur­den früh schwan­ger und hin und wie­der lan­de­te jemand, den man kann­te, im Gefäng­nis. Um so wenig Zeit wie mög­lich zu Hau­se bei mei­ner gewalt­tä­ti­gen Mut­ter zu ver­brin­gen, spiel­te ich schon als Kind den gan­zen Tag mit mei­nen Freun­den drau­ßen auf den Stra­ßen. Auch als Jugend­li­che zogen wir durch die Gegend und hin­gen im Jam­nit­zer Park rum, neben uns kon­su­mier­ten Alko­ho­li­ker und Dro­gen­ab­hän­gi­ge. Ein­mal haben wir einen Mann leb­los im Gebüsch lie­gen sehen – ich glau­be er war tot. Das Leben war holp­rig vor­ge­zeich­net und ich dach­te ich wür­de es nie aus die­sem Hexen­kes­sel schaf­fen. Ich konn­te mir vie­le Din­ge nicht leis­ten, wie einen Besuch in einem Café zum Bei­spiel. Mit 13 Jah­ren bin ich von zu Hau­se aus­ge­ris­sen, kam in ein Heim und spä­ter in eine betreu­te Wohn­ge­mein­schaft. Hier gab es Men­schen, die sich um mich geküm­mert haben. In die­sem ruhi­ge­ren Umfeld konn­te ich mich auf die Schu­le und mei­nen Berufs­wunsch kon­zen­trie­ren. Vie­le, die heu­te mei­ne Geschich­te hören, sehen das Hap­py End und roman­ti­sie­ren mei­ne Erfah­run­gen. Ich habe mir mei­nen stei­ni­gen Weg aber nicht aus­ge­sucht. Ich muss­te mich durch­bei­ßen und schon als Kind auf eige­nen Bei­nen ste­hen. Das mag viel­leicht den Cha­rak­ter stär­ken, aber um wel­chen Preis? Heu­te gehe ich oft die Für­ther Stra­ße ent­lang, als Juris­tin habe ich regel­mä­ßig im Jus­tiz­pa­last zu tun. Wenn ich all die aus­ge­las­se­nen Müt­ter in Gos­ten­hof mit­tags im Café in der Son­ne sit­zen sehe, freue ich mich einer­seits, dass mehr Men­schen sich das nun erlau­ben kön­nen ohne den Cent zwei­mal umzu­dre­hen. Ande­rer­seits bedaue­re ich es auch, dass die Zeit ver­ges­sen lässt, wie hart es war hier auf­zu­wach­sen.“

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“So lang­sam kom­men die Leu­te dahin­ter, dass nicht jeder Täto­wier­te zwangs­läu­fig Knas­ti oder See­fah­rer ist. Ich bin täto­wiert, gepierct, ‚sin­ge‘ in einer Metal-Band und dann betrei­be ich auch noch Kampf­sport. Dass ich aber den Groß­teil mei­ner Zeit damit ver­brin­ge, daheim mei­ne Kat­zen zu knud­deln, anstatt Tank­stel­len zu über­fal­len, über­rascht vie­le. Vor­ur­tei­le sind etwas ziem­lich Dum­mes. Das stel­le ich auch immer wie­der fest, wenn ich mit Leu­ten über mei­ne Arbeit spre­che. Ich bin seit vie­len Jah­ren in der Games-Bran­che tätig, war Chef­re­dak­teur eines B2B-Maga­zins und arbei­te nun als Pro­gramm­chef für eine der größ­ten Ent­wick­ler­kon­fe­ren­zen Euro­pas. Gaming ist mei­ne Pas­si­on, seit frü­hes­ter Kind­heit an. Obwohl es sich dabei um eine Mil­li­ar­den-Indus­trie han­delt, sind Spie­le für eini­ge nicht mehr als gewalt­ver­herr­li­chen­des „Gebal­ler“ oder lus­ti­ges „Gehüp­fe“. Games för­dern stra­te­gi­sches Den­ken, sind sozi­al­kri­tisch, immer­siv, kunst­voll und wecken eine brei­te Palet­te an Emo­tio­nen. Ein fes­seln­des Game bringt mich öfter zum Lachen, Wei­nen oder Zit­tern, als so man­cher Kino­strei­fen. Wenn ich spie­le, las­se ich mich nicht nur berie­seln. Ich tau­che pro­ak­tiv in vir­tu­el­le Wel­ten ein, erfor­sche frem­de Land­schaf­ten und mys­te­riö­se Orte, löse Rät­sel und muss mich nicht sel­ten auch mora­li­schen Dilem­mas stel­len: Wie wür­de man in einem Kriegs­sze­na­rio über­le­ben, wem die letz­te Essens­ra­ti­on zutei­len? Fil­me neh­men uns die­se Ent­schei­dun­gen ab. Müs­sen wir sie selbst tref­fen, fühlt sich das mit­un­ter rich­tig mies an, selbst wenn es ‚nur‘ ein fik­ti­ver Umstand ist. Egal, ob Spiel, Film oder Buch: Nicht jedes Werk ist für jeden Rezi­pi­en­ten geeig­net. Ein The­ma, dass sich gera­de Eltern öfter zu Her­zen neh­men soll­ten, anstatt die Ver­ant­wor­tung auf den Gesetz­ge­ber abzu­schie­ben. Eine Form der Igno­ranz, die mich mit­un­ter wütend macht. Und wer weiß, viel­leicht wür­den sie auch ein Spiel fin­den, das ihnen Spaß macht.“

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“Schon als klei­nes Mäd­chen spiel­te ich lie­ber mit Jungs, ich lehn­te es ab, Kleid­chen zu tra­gen und hat­te mit Pup­pen nichts am Hut. Ich war nei­disch auf Jungs und frag­te mei­ne Eltern oft, war­um ich kei­ner sein konn­te. Mei­ne Mut­ter war bestürzt über die­se Fra­gen. Es fühl­te sich immer komisch an, „Cas­san­dra“ genannt zu wer­den und ich hat­te oft das Bedürf­nis mich zu ver­ste­cken. Nach dem Gym­na­si­um bin ich zur Bun­des­wehr gegan­gen. Ich hat­te den Traum Pilo­tin zu wer­den. Nach sechs Jah­ren Dienst­zeit als Offi­zier und vier Aus­lands­ein­sät­zen, wur­de ich vor­zei­tig auf­grund von Krank­heit aus dem akti­ven Dienst ent­las­sen. Eine Welt brach für mich zusam­men. Glück­li­cher­wei­se habe ich es aber auch als Chan­ce erkannt, mich nun optisch zu ver­än­dern. Mit 27 begann ich mein Geschlecht anzu­pas­sen, nahm Hor­mo­ne ein und fühl­te mich von Ope­ra­ti­on zu Ope­ra­ti­on ste­tig woh­ler in mei­nem nun männ­li­chen Kör­per. Tei­le mei­ner Fami­lie muss­te ich auf die­sem Weg zurück­las­sen. Mei­ne Mut­ter kam nie mit mei­ner neu­en Iden­ti­tät zurecht und wir haben so gut wie kei­nen Kon­takt mehr. Ich bin von Anfang an sehr offen mit mei­ner Geschich­te umge­gan­gen, habe mich nie ver­steckt. Mit mei­nem Insta­gram Pro­fil, auf dem ich viel über mich preis­ge­be und Fotos mei­ner Ent­wick­lung pos­te, will ich Mut machen und auf­klä­ren. Ich beant­wor­te aber auch ganz prak­ti­sche Fra­gen zur Funk­ti­ons­wei­se mei­ner Erek­ti­ons­pro­the­se oder zum büro­kra­ti­schen Auf­wand einer Geschlechts­an­pas­sung. Mei­ne Trans­for­ma­ti­on ist sicher­lich eine beson­de­re Geschich­te, ich defi­nie­re mich aber nicht allei­ne dar­über. Leben ret­ten, das ist es, was mich heu­te aus­macht und erfüllt. Zwar wur­de ich nie Pilot, als Not­fall­sa­ni­tä­ter im Ret­tungs­dienst und Pfle­ger auf der Inten­siv­sta­ti­on habe ich aber mei­ne Bestim­mung gefun­den und es inter­es­siert weder die Kol­le­gen noch die Pati­en­ten, wie ich frü­her aus­ge­se­hen habe.”

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“1945 muss­te ich über­stürzt aus mei­ner Hei­mat Tsche­chi­en flie­hen, da ich mit einem deut­schen Sol­da­ten ver­hei­ra­tet war. Mit Hil­fe mei­nes Vaters schlich ich mich mit­ten in der Nacht über die Gren­ze nach Deutsch­land. Ich kam nach Michel­au in Ober­fran­ken und grün­de­te hier mit mei­nem Mann eine Schrei­ne­rei. Der Anfang war für uns sehr schwer, wir muss­ten Tag und Nacht arbei­ten, um das Geschäft am Lau­fen zu hal­ten. Gera­de als der Betrieb erfolg­reich war, starb mein Mann Karl 1968. Ich leb­te noch vie­le Jah­re in unse­rem Haus in Michel­au, bis ich 2005 nach Nürn­berg in den Wohn­stift am Tier­gar­ten kam. Beim Aus­zug aus mei­nem Haus stand ich wei­nend im Hof, als ich zusah, wie das gro­ße Auto mein über­schüs­si­ges Mobi­li­ar zer­klei­ner­te, mei­ne Hab­se­lig­kei­ten ver­la­den wur­den und sich das Haus leer­te. Mei­ne gelieb­ten Fotos habe ich aber in mein neu­es Zuhau­se mit­ge­nom­men. Jetzt bin ich froh, dass es so kam, denn hier zu leben ist sor­gen­frei­er und ich kann mir vie­les leis­ten, was ich mir als jun­ge Frau nicht hät­te ermög­li­chen kön­nen. Kul­tur spiel­te frü­her für mich kaum eine Rol­le. Wir hat­ten so viel mit dem Geschäft zu tun und konn­ten nicht nach Coburg ins nächs­te Thea­ter fah­ren. In den letz­ten Jah­ren ent­deck­te ich aber das gro­ße kul­tu­rel­le Ange­bot in Nürn­berg. Gemein­sam mit einem Freund hier aus dem Wohn­stift besuch­te ich das Thea­ter und die Oper, war bei einer Old­ti­mer-Fahrt dabei und sogar in einer Bur­les­que Show. Im Novem­ber wer­de ich 99 Jah­re alt. Ich den­ke aber nicht über mein Alter nach. Es gibt hier vie­le, die jam­mern jeden Tag über ihre Lei­den. Auch mir tun die Hän­de weh, auch ich sehe schlecht, aber ich den­ke gar nicht dar­über nach – das ist halt so. Ich will noch immer über­all dabei sein, wür­de nie­mals ein Kon­zert mei­ner Enke­lin ver­pas­sen und ich freue mich schon, die­ses Jahr auf der Hoch­zeit mei­ner zwei­ten Enkel­toch­ter zu tan­zen. Mei­ne Fami­lie um mich zu haben, für sie da zu sein, das hält mich jung und gibt mir Kraft.“

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„Seit ich vor ein paar Jah­ren in den Nor­den Nürn­bergs gezo­gen bin, fas­zi­niert mich der St. Johan­nis­fried­hof, nicht nur als Ort der Trau­er, son­dern auch als Ort der Ästhe­tik und Kul­tur. Die Fra­ge, wie wir mit dem Tod und unse­ren Ahnen umge­hen, ist für mich ein sehr wich­ti­ger Aspekt unse­rer Kul­tur und Iden­ti­tät. Dass ich mich mit mei­nem 35 Jah­ren schon so inten­siv mit dem Tod aus­ein­an­der­set­ze, ist sicher unge­wöhn­lich. Mit der Nürn­ber­ger Epi­ta­phien-Stif­tung set­ze ich mich für den Erhalt und die Pfle­ge die­ses ein­zig­ar­ti­gen Ortes ein, an dem Men­schen wie Dürer, Feu­er­bach und Pirck­hei­mer begra­ben wur­den. Als His­to­ri­ker fra­ge ich mich natür­lich beson­ders: Was haben die­se bedeu­ten­den Per­sön­lich­kei­ten dazu bei­getra­gen, das Nürn­berg heu­te ist, was es ist? Was kann uns die­ser Ort auch heu­te noch sagen? Neben Tod und Trau­er sehe hier auch so viel Freu­de und Posi­ti­ves. In der Kir­che fin­den Tau­fen und Hoch­zei­tet statt und auch ich habe hier mei­nen Mann gehei­ra­tet. Mit den lie­gen­den Grab­stei­nen, den kunst­vol­len Epi­ta­phien, den sorg­sam gepfleg­ten Blu­men­scha­len und blü­hen­den Rosen ist der St. Johan­nis­fried­hof auch ein­fach ein schö­ner Ort. In Nürn­berg ist man typi­scher­wei­se sehr beschei­den, macht kei­nen gro­ßen Wind um die Beson­der­hei­ten die­ser Stadt. Ande­re wür­den hier rich­tig ange­ben mit so einem außer­ge­wöhn­li­chen Ort. Ich den­ke, die Kul­tur­haupt­stadt ist eine tol­le Gele­gen­heit, allen Nürnberg*innen aber auch Besucher*innen zu zei­gen, was es hier schon Tol­les gibt und was uns ein­zig­ar­tig macht. Aus unse­rer Ver­gan­gen­heit her­aus kön­nen wir auch etwas Neu­es gestal­ten, das wir noch nie gewagt haben. In mei­nem Alter ist es schick, nach Moder­ni­tät zu stre­ben. Oft sind aber Din­ge, die einem zunächst über­holt und gest­rig vor­kom­men, gar nicht so alt­ba­cken und haben eine gro­ße Bedeu­tung für die Gegen­wart und die Zukunft.“

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