Nürnberg 2025
KULTURHAUPTSTADT EUROPAS - KANDIDAT

Past Forward
zurück Leichte Sprache bar­rie­re­frei Menü

“Ist ulti­ma­ti­ve Tole­ranz was Coo­les? Ich weiß es nicht. Frü­her haben mich mei­ne Mit­schü­ler ver­arscht, mich „Nose“ und “Drei­ecks­kopf” genannt. Mir war das egal, ich hab mich gewehrt. Ich muss­te mich weh­ren. Heu­te wird alles in Wat­te gepackt, dar­an ist auch Insta­gram schuld. Die Leu­te müs­sen sich heu­te nicht mehr direkt mit Din­gen aus­ein­an­der­set­zen. Sie sind von außen geform­te Wesen gewor­den. Kennst Du das, frü­her als Kind, wenn Du Kne­te in ver­schie­de­nen Far­ben hat­test und sie nicht zusam­men­mi­schen woll­test, weil dann eine brau­ne Mas­se ent­steht? So fühlt sich das mit Insta­gram an. Unde­fi­nier­bar. Frü­her haben mir Mana­ger gesagt: „Du brauchst die Leu­te nicht“ — aber jeder braucht Leu­te. Es bringt nichts, sein eige­nes Süpp­chen zu kochen. Es kommt einem vor, als wür­de sich Nürn­berg nicht ent­wi­ckeln. Aber das stimmt nicht. Ich war als Foto­gra­fin in Dubai, in New York, in Ita­li­en. Wenn Du mal ein paar Mona­te weg bist und zurück kommst, siehst Du, wie sich alles ver­än­dert. Gera­de in Gos­ten­hof. Frü­her war es hier als stün­de eine graue Wol­ke über dem Stadt­teil. Heu­te lau­fen die Leu­te über die Für­ther Stra­ße wie auf einer Pro­me­na­de. Der Hafen fühlt man sich mitt­ler­wei­le nicht mehr wie in der Stadt. Das ist geil. Manch­mal könn­te man mei­nen, Ber­lin sei eine frän­ki­sche „Flücht­lings­ko­lo­nie“. So vie­le Leu­te, die heu­te dort leben, kom­men von hier. Gera­de die sagen aber: „Nürn­berg ist kul­tu­rell ein Scheiß“. Das ist Quatsch! Die­se Leu­te sind hier auf­ge­wach­sen, waren hier auf dem Spiel­platz. Das prägt Dich. Nürn­berg liegt in der Mit­te von allem, hat eine gute Infra­struk­tur und eine gute Erreich­bar­keit. Ber­lin ist viel­leicht cool, hat den Style, das stimmt. Aber von irgend­wo­her muss das doch kom­men, oder? Bei­spiels­wei­se der Kolb, die Bre­zen – das ist Kul­tur­gut, nicht so ein Lauch­ge­bäck! Davon schwär­men mei­ne Ber­li­ner Freun­de. Das ist nur ein Bei­spiel von ganz vie­len. Wenn du die gan­ze Zeit über eine Stadt meckern kannst, dann stimmt mir Dir etwas nicht — nicht mit der Stadt.”